Hintergrund

Dolmetscher_innen werden bundesweit in unterschiedlichsten behördlichen und nicht-staatlichen Kontexten zur Förderung der Kommunikation mit Klient_innen, Patient_innen und Kund_innen ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingesetzt. Die beruflichen Qualifikationen der eingesetzten Dolmetscher_innen sind dabei höchst unterschiedlich. Dies kann dazu führen, dass die gedolmetschten Gespräche weder im Ergebnis noch im Gesprächsverlauf die notwendige Qualität mit sich bringen. Bei den Mitarbeitenden in Behörden oder freien Trägern können „schlecht“ gedolmetschte Gespräche zu Informationsverlusten, Unzufriedenheit, Frustration, Hilflosigkeit und in Einzelfällen auch zu falschen Entscheidungen führen. Systemseitig ergeben sich durch nicht erreichte Gesprächsziele vermeidbare Folgetermine und zusätzliche Einsatzkosten.

Ziele

Entwicklung und Evaluation von frei verfügbaren Lehrfilmen zur Stärkung der kommunikativen Kompetenzen von Nutzern von Dolmetscher_innen

Projektkonzept

Im Rahmen des 28-monatigen AMIF-Projekts „Lehrfilme zur Stärkung der kommunikativen Kompetenzen von Nutzern von Sprachmittlern“ wurden die Ziele mit Hilfe folgender Module erreicht:

Modul 1: Bedarfsanalyse

Durchführung und Auswertung von qualitativen Einzelinterviews mit Fachpersonen unterschiedlichster Bereiche, mit Dolmetscher_innen sowie mit Expert_innen aus unterschiedlichen Bereichen (Wissenschaft, Bildung, Behörden, Community Interpreting, etc.). Zudem erfolgte eine Recherche und Auswertung vorhandener deutschsprachiger Materialien zur Stärkung der kommunikativen Kompetenz für Nutzer_innen von Dolmetscher_innen.

Modul 2: Konzipierung der Lehrfilme

Entwicklung eines Feinkonzepts für die Lehrfilme auf der Basis der Ergebnisse der Bedarfsanalyse. Dieses wurde mit unterschiedlichen Expert_innen reflektiert und diskutiert. Anschließend erfolgte die Drehbuch-Entwicklung und der Konzipierung der szenischen Umsetzung.

Modul 3: Produktion der Lehrfilme

Die Produktion der Filme wurde von einer professionellen Filmproduktionsfirma durchgeführt. Als Darsteller fungierten authentische Fachpersonen, Klient_innen und Dolmetscher_innen.

Modul 4: Erprobung und Evaluation des entwickelten Angebots

Entwicklung der Evaluationsmaterialien zur Evaluation der Relevanz, Ansprechbarkeit, Verstehbarkeit und Usability des Lehrmaterials. Gewinnung von Probanden der Zielgruppe und Durchführung der Evaluation.

Modul 5: Dissemination der Materialien

Die Lehrfilme werden frei verfügbar online veröffentlicht.

Projektpartner

Das Projekt wird realisiert in enger Zusammenarbeit mit INTERPRET, die schweizerische Interessengemeinschaft für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln.

INTERPRET bringt langjährige Erfahrungen und Kompetenzen in der Qualifizierung und Professionalisierung von Sprachmittler_innen sowie in der Sensibilisierung und Befähigung von Fachpersonen zur Zusammenarbeit mit Sprachmittler_innen ein. Die Schweizerische Interessengemeinschaft für das interkulturelle Dolmetschen und Vermitteln zeichnet für das national etablierte Qualifizierungssystem für interkulturell Dolmetschende verantwortlich. Im Auftrag des Bundes in der Schweiz nimmt INTERPRET Aufgaben in der Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeit wahr.

Mit der Lernplattform Trialog betreibt INTERPRET eine online-Plattform, die didaktische Materialien rund um die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Fachpersonen und Sprachmittler_innen zur Verfügung stellt. Kernstück der Lernplattform bilden Filme, die exemplarisch aufzeigen, was beim Einbezug von ungeschulten Sprachmittler_innen schief gehen kann („Beispiele misslungener Kommunikation“) und wie die Zusammenarbeit mit professionellen Dolmetschenden gelingt („Beispiele gelungener Kommunikation“).